Cybersecurity

Billige Domains sind der Grund, warum das Netz so unsicher ist

Billige Domains treiben den Abuse: Phishing-Domains kosten im Schnitt 4,71 statt 8,62 Dollar. So schützt du deine Marke in der Domain-Runde 2026.

Was eine Auswertung von Millionen Registrierungen über Phishing, Marken und die neue Domain-Runde verrät

Eine Domain ist die Adresse im Netz und zugleich ein Vermögenswert. Sie trägt die Marke, sie lenkt den Kundenkontakt, und man kann sie verkaufen. Ich habe die Forschung zu Domains aus den letzten fünfzehn Jahren zusammengetragen, von Registry-Statistiken über Messstudien bis zur Rechtsprechung. Ein Befund zieht sich durch alles: Der Markt für Domains und der Markt für Domain-Missbrauch reagieren auf dieselbe Stellschraube. Den Preis.

Der Markt wächst, der Missbrauch schneller

Mitte 2026 waren weltweit 401,6 Millionen Domains registriert, plus 8,1 Prozent in einem Jahr. Der Missbrauch wächst schneller. 19,5 Millionen Domains wurden 2025 für Malware, Phishing oder Spam genutzt, mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Von den neu registrierten Domains in den neuen Endungen landeten mindestens zehn Prozent später auf einer Sperrliste.

Der Preis treibt den Abuse

Die stärkste Zahl kommt aus einer zweijährigen ICANN-Studie, die 14.500 Phishing-Domains mit einer Vergleichsgruppe abglich. Eine Phishing-Domain kostete bei der Registrierung im Schnitt 4,71 Dollar, eine seriöse 8,62. Jeder Dollar weniger ging mit rund 49 Prozent mehr bösartigen Registrierungen einher. Kostenlose Zusatzleistungen wie Gratis-Hosting trieben Phishing um 88 Prozent nach oben.

Dahinter steckt eine simple Rechnung. Eine Phishing-Domain wird innerhalb von Stunden benutzt und ist nach Tagen verbrannt. Sie muss ihren Registrierungspreis in dieser kurzen Zeit wieder einspielen. Bei einer Domain für unter einem Dollar geht die Rechnung auf. Bei einer verifizierten, teureren Domain nicht.

Wo sich der Missbrauch sammelt

Der Missbrauch verteilt sich nicht gleichmäßig. Die neuen Endungen hielten 2025 nur zwölf Prozent des Marktes, aber 47 Prozent der Cybercrime-Domains, fast das Vierfache ihres Anteils. Bei einem einzigen Registrar waren 88 Prozent der Registrierungen eines Jahres bösartig. Billige Massenregistrierung über automatische Schnittstellen macht das möglich, die Zahl der in Masse registrierten Angriffsdomains stieg 2025 um 177 Prozent.

Ökonomisch ist das ein klassischer externer Effekt. Den Preis kassiert der Registrar, den Schaden trägt das Opfer. Wer den Schaden verhindern könnte, zahlt ihn nicht. Deshalb bleibt das Problem bestehen, solange niemand die Kosten dorthin zurückholt, wo sie entstehen.

Was das für deine Marke heißt

Für dich als Betrieb ist der gefährliche Teil nicht die ferne Phishing-Welle, sondern die Domain, die deiner eigenen zum Verwechseln ähnlich sieht. Tippfehler-Domains, kombinierte Namen wie deinemarke-sicherheit.de, nachgebaute Shops. Über solche Adressen laufen gefälschte Rechnungen und der Betrug mit angeblichen Lieferantenwechseln, der genau die Zahlungsprozesse kleiner Firmen trifft.

Kleine Firmen tauchen in den offiziellen Streitfallstatistiken kaum auf. Das liegt aber nicht an geringer Betroffenheit, sondern an den Kosten. Ein Verfahren nach der UDRP kostet mehrere tausend Dollar. Für eine Bank ist das nichts, für einen Zehn-Personen-Betrieb ist es viel. Die Großen wehren sich, die Kleinen zahlen still.

Was du konkret tun kannst

Ein paar Dinge wirken und kosten wenig. Sichere deine Kerndomain mit Registry-Lock und DNSSEC, das haben selbst die meisten der größten Konzerne bis heute nicht getan. Trag deine Marke in die Trademark Clearinghouse ein, dann wirst du bei neuen Endungen vorab benachrichtigt. Beobachte Tippfehler- und Kombi-Varianten deines Namens. Für klare Fälle gibt es die UDRP.

Rückenwind kommt von der Regulierung. Artikel 28 der NIS2-Richtlinie verpflichtet Registries und Registrare in der EU, Registrierungsdaten zu prüfen und bei berechtigten Anfragen innerhalb von 72 Stunden herauszugeben. Die Verifizierung, die Missbrauch nachweislich senkt, wird damit dort erzwungen, wo der Markt sie nicht liefert.

Der neue Dreh mit der KI

Ein Muster ist neu. Angreifer registrieren inzwischen Domains, die eine KI erfunden hat. Fragt man Sprachmodelle nach den Adressen bekannter Marken, halluzinieren sie massenhaft plausible, aber nicht existierende Domains. Für 913 Marken waren es rund 250.000 solcher Namen. Wer sie vorab registriert, fängt den Verkehr ab, den die KI-Antworten dorthin schicken. Das ist eine Angriffsfläche, die es vor zwei Jahren noch nicht gab.

Zum Mitnehmen

2026 läuft die erste große Runde neuer Endungen seit über einem Jahrzehnt, mehr als 1.600 Bewerbungen, ab 2027 vielleicht tausend neue Endungen. Ob sie das Missbrauchsmuster wiederholen, hängt an Entscheidungen, die gerade jetzt fallen, nämlich an den Startpreisen der Registries. Den Markt reparierst du nicht. Deine eigene Tür kannst du abschließen, und zwar heute.

Zur Studie

Das vollständige Paper „A Structured Review of Internet Domain Research: Registration, Market, Security, and Law“ ist am 2. November 2026 im Global Journal of Business and Integral Security, Vol. 9, Nr. 2, erschienen und frei zugänglich: zum Paper bei GBIS.

So zitierst du das Paper (APA, Angabe von GBIS):

Wilfahrt, P. (2026). A Structured Review Of Internet Domain Research: Registration, Market, Security, And Law. Global Journal of Business and Integral Security, 9(2). Retrieved from https://gbis.ch/index.php/gbis/article/view/1031